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Samstag, 08. Mai 10 um 16:19

Panta rhei - alles fließt

Am 22. und 23.April fand eine gleichnamige Konferenz über “Aktuelle Probleme im Wasserhaushalt von Norddeutschland – Trends, Ursachen, Lösungen“ in Potsdam statt. Namhafte Wasserwirtschaftler und Klimaschützer hörten zwei Tage lang interessante Vorträge und konnten an Postern die heutige Entwicklung nachvollziehen.

Wassermangel in den Seen, Trockenfallen von Fließgewässern, geringe Niederschläge im Sommer, vermehrte und Starkregen im Winter in Kombination mit der noch allgegenwärtigen „grundhaften“ Melioration unserer moorigen Standorte verschärfen die Situation des Landschaftswasserhaushaltes. Bedroht das aufsteigende Salzwasser auch unser Trinkwassereinzugsgebiet wie das von Potsdam? Wird unser hochgereinigtes Abwasser den Feldern des Nieplitzeinzugsgebietes zugeleitet?

Anhand vieler guter und erfolgreicher Projekte wurde dargestellt, wie schwer es ist, einen gesunden Wasserhaushalt in der Fläche wiederherzustellen. Die technischen und finanziellen Aufwendungen sind hoch – aber ist die Technische Lösung alles?

Eine Königslösung konnte es nicht geben. Das Fazit der Veranstaltung war ernüchternd aber auch ermutigend, weil doch so viele Gleichgesinnte im Publikum waren, die den funktionierenden Landschaftswasserhaushalt wieder herstellen wollen: wir wissen heute schon alles, was getan werden muss, wir brauchen keine neuen Instrumente – wir müssen alle nur richtig handeln.

Einige wenige Schlußfolgerungen für eine Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes möchte ich nennen, die nicht alle Bereiche berücksichtigen können:

  1. Um das Wasser in der Landschaft zu halten muss der Kiefernwald durchgängig in einen Laubmischwald umgewandelt werden.  Damit wird das Speichervolumen für Wasser vergrößert und die Grundwasserneubildung verstärkt.
  2. Die Kommunen sollten für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nicht sporadisch mal hier und mal da was anpflanzen lassen, sondern eine oder mehrere miteinander verbundene „Entwicklungsflächen“ für diese Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen sowie weitere Kompensationsmaßnahmen im Flächennutzungsplan darstellen und umsetzen. 
  3. Für unsere Gewässer in der Stadt, also die Nieplitz  und die vielen Meliorationsgräben,  sollten wir gemeinsam mit dem Naturpark Nuthe-Nieplitz und dem Gewässerunterhaltungsverband ein „Gewässerentwicklungskonzept“ voranbringen. In diesem Konzept hat das Wiedervernässungsprojekt von Herrn Frenzel genauso Platz  wie Gedanken, den einen oder anderen Graben aus der Bewirtschaftung herauszunehmen und stillzulegen, oder eine Wasserhaltung im Winter im Bereich des Umfluters zu erreichen – und dann wieder eine Eisbahn zum Schlittschuhlaufen zu haben.

Auch das Seddiner See-Projekt (Überführung von Nieplitzwasser in den Seddiner See) wurde besprochen. Es gab sehr kritische Nachfragen, die sich auf die Erhöhung des Wasserspiegels von 38 Meter auf 39,2 Meter (nur erforderlich, damit der Kähnsdorfer See ebenfalls Wasser erhält. Und dieser See befindet sich in Privatbesitz) und das Einzugsgebiet der Nieplitz bezogen, das ein anderes ist als das des Seddiner Sees. Nachfragen zu den nachfolgenden Betriebskosten  brachten zum Tage, dass diese Summe jetzt bei jährlich 150 000 Euro liegt (bisher wussten auch die  Seddiner Gemeindevertreter nur von 100 000 Euro). Fragen nach dem Golfplatz und seine Bedeutung für den Wasserverlust und nach weiteren Grundwasserentnahmen im Einflussbereich des Sees wurden nicht beantwortet. 

Es ist an der Zeit, auch die Beelitzer Wassersituation kritisch unter die Lupe zu nehmen. Niemand weiß so richtig und genau, wie viele Grundwasserentnahmen in unserem Gebiet eigentlich genehmigt sind. Niemand kann sagen, wie viel Grundwasser abgepumpt wird oder aus den Gräben und der Nieplitz entnommen wird. Und auch unter Beelitzer Gebiet wartet Salzwasser darauf, aufzusteigen – und dass umso schneller, je mehr Grundwasserentnahmen zum Druckverlust über dem Salzwasser führen.  Auch wenn das Thema Wasser nicht direkt in die kommunale Zuständigkeit fällt, da die untere Wasserbehörde zuständig ist, so können wir uns dennoch für die Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes in unserer Region einsetzen – und das jeden Tag und bei allen Handlungen und Planungen.

Ich habe das Thema angesprochen, weil ich hoffe, dass wir gemeinsam an dem Erhalt unseres nassen Lebensquells interessiert sind. Drum lasst uns Bäume pflanzen.

Panta rhei - Wasser fließt.

Dr. Elke Seidel
Kreistagsabgeordnete Grüne/Bü 90
033204-34703